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Der Mond leuchtet über Berlin: „Frau Luna“ – nostalgische Erscheinung

2016-06-16 Frau Luna im Tipi - Cora Frost Venus - Foto © Carlo WankaDie „Frau Luna“-Produktion mit einer Kleinkunst-All-Star-Besetzung im Berliner Tipi wirft erste Schatten voraus

von Axel Schock

BERLIN – Das Ganze hat durchaus etwas Größenwahnsinniges. Fans des Kabaretts in all seinen Schattierungen leuchten die Augen angesichts dieses Casts: Auf dem Besetzungszettel finden sich die Geschwister Pfister, Thomas Pigor und Benedikt Eichhorn, Cora Frost und Gerd Thumser, Ades Zabel, Fausto Israel und Max Gertsch, Gustav Peter Wöhler, Sharon Brauner und Annamateur. Wer wagt, ein solches Unternehmen überhaupt auf die Beine zu stellen, muss wahnsinnig – und leidenschaftlich sein.

 

Dass nun ab 27. Oktober 2016 ein All-Star-Ensemble des deutschen Kleinkunst-Entertainments drei Monate ensuite die Bühne des Berliner Tipi rocken wird, ist nur durch jahrelange Planungen möglich. Viel wichtiger aber: Dem Tipi und seinem Mutterzelt, der Bar jeder Vernunft, ist es gelungen, über mittlerweile fast drei Jahrzehnte Künstler aufzubauen, zu pflegen und zu einer Wahlfamilie zu vereinen, die nun mit Herz und Verve sich diesem Mammutprojekt widmen: eine Neuinszenierung von Paul Linckes schräger und ohrwurmgesättigter Operette „Frau Luna“.

Lutz Deisinger, der künstlerische Leiter der Produktion, hat bereits Erfahrung mit solchen Unternehmungen. Die Inszenierung des „Im Weißen Rössl“ 1994 (u.a. mit den Geschwister Pfister, Max Raabe, Meret und Otto Sander) ist längst Legende. „Cabaret“ füllt bereits seit 2004 Jahr für Jahr über Wochen die Bar jeder Vernunft bzw. das Tipi am Kanzleramt. Und nun holt er also ein weiteres sehr berlinerisches musikalisches Bühnenwerk unters Zeltdach.

2001 hatte die Bar jeder Vernunft schon einmal Anlauf dafür genommen und den Dramatiker Thomas Brasch für eine Neufassung gewonnen, die er aber krankheitsbedingt nicht mehr realisieren konnte. Nun kommt doch wieder das alte Libretto von Heinz Bolten-Baeckers zum Zug und soll weder dekonstruiert noch auf den Kopf gestellt werden.

Stattdessen verspricht Regisseur Bernd Mottl eine „liebenswerte und romantische“ Inszenierung dieser 1899 uraufgeführten Gassenhauer-Operette, bei der er die Dialoge ernst nehmen und den nostalgischen Text zu neuem Leben erwecken möchte. Bei der Uraufführung 1899 im Milljöh der südlichen Friedrichstraße waren halbnackte Sternschnuppen mit von der Partie, die acht Tänzerinnen hier werden sich „wahrscheinlich etwas züchtiger zeigen“.

Tagesaktualität liefert diese in den Boomjahren Berlin angesiedelte Geschichte ganz von selbst – handelt sie doch nicht nur von amourösen Verwechslungen, sondern auch von Wohnungsnot, Bauspekulation und Weltuntergangsstimmung. „Operette lebt von Persönlichkeiten auf der Bühne, von Menschen mit einer eigenen Geschichte und einer besonderen künstlerischen Ader“, sagte Mottl im Pressegespräch anlässlich des Proben- und Vorverkaufsstarts. Und dafür scheint das buntgemischte Ensemble der beste Garant. Seine Aufgabe sieht Mottl daher vor allem als Dompteur dieser All-Star-Truppe der deutschen Kleinkunstszene.

Auch der musikalische Leiter Johannes Roloff will mit seinem zwölfköpfigen Orchester möglichst nahe am Original bleiben und die musikalische Farben des Kaiserreichs samt schmissiger Walzer und Marschrhythmen weder glätten – wie dies etwa im den 70er Jahren geschah – noch zur Jazzoperette verwandeln.

Noch ist keine Szene einstudiert und Bühnenbild und Kostüme existieren bislang nur als Skizzen auf dem Papier. Doch eines ist bereits sicher: „Frau Luna“ wird ein großes Berliner Bühnenereignis.

Premiere am 27. Oktober 2016 im Tipi am Kanzleramt, Spielzeit bis 29. Januar 2017.

 

2016-06-16 Luna Tipi Presse 008 - Foto © Carlo Wankahintere Reihe – v.l.n.r.: Friedrich Eggert, Bernd Mottl, Johannes Roloff
mittlere Reihe – v.l.n.r.: Gustav Peter Wöhler, Thomas Pigor, Andreja Schneider, Benedikt Eichhorn, Annamateur, Gert Thumser, Cora Frost
vordere Reihe – v.l.n.r.: Max Gertsch, Christoph Marti, Tobias Bonn, Sharon Brauner, Fausto Israel, Ades Zabel

 


 

Eine Paul-Lincke-Operette mit Kabarettisten, Schauspielern, Sängern, Musikern und Tänzerinnen im Tipi am Kanzleramt

Paul Lincke, der Vater der Berliner Operette, hatte ursprünglich einen Einakter der Frau Luna entworfen. Mit der Einbindung anderer Gassenhauer des Komponisten und Theaterkapellmeisters entstand 1922 ein größeres, abendfüllendes Werk. Dieses wird jetzt von Bernd Mottl (Regie), Ilka Seifert (Dramaturgie), Christopher Tölle (Choreografie) aufgegriffen und neu gefasst. Mit einem Bühnenbild von Friedrch Eggert, Kostümen von Heike Seidler, sowie der musikalischen Leitung von Johannes Roloff wird die Operette nah am Original inszeniert.
Die besondere Besetzung lässt schnell erkennen, dass das Tipi und die Bar Jeder Vernunft ihre Besten der bunten Künstlerfamilie auf die Bühne schickt.

Mit dabei sind in den Rollen:

Andreja Schneider – Frau Luna, Herrin des Mondes (Die Geschwister Pfister)
Gustav Peter Wöhler – Prinz Sternschnuppe
Annamateur – Stella, Lunas Zofe
Tobias Bonn – Theophil, Haushofmeister auf dem Mond (Die Geschwister Pfister)
Christoph Marti – Frau Pusebach, Witwe (Die Geschwister Pfister)
Sharon Brauner – Marie, ihre Nichte
Benedikt Eichhorn – Fritz Steppke, Mechaniker
Thomas Pigor – Lämmermeier, Schneider
Max Gertsch – Pannecke, Steuerbeamter a.D.
Cora Frost – Venus
Gert Thumser – Mars
Ades Zabel & Fausto Israel – Mondgroom

Fotos: Carlo Wanka/ BonMoT-Berlin
©2016 BonMoT-Berlin

Tipi am Kanzleramt | Frau Luna | Paul Lincke (wiki) |

 

  1. 17. Juni 2016 um 02:23

    Hat dies auf WENEZIA™ – Weidens neue Mitte! rebloggt.

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