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Halbstark im Übergang – Premierenkritik Maria Vollmer

maria-vollmer-foto-ulrike-reinkerMaria Vollmer: „Push-up, Pillen & Prosecco“

von Marianne Kolarik

Ganz schön sexy: diese Maria in den „besten Jahren“, wohnhaft in einer Einfamilienhaus-Siedlung in Köln-Nippes, Mutter zweier pubertierender Söhne und Gemahlin von Rainer, der mit beiden Beinen tief in einer Midlifecrisis steckt, hat alle Hände damit zu tun, die Nerven zu bewahren. Älterwerden ist schließlich kein Zuckerschlecken, selbst wenn man es als Übergangsphase („ich werde übergangen“) definiert.

Vollmer – so ihr Nachname – legt mit „Push-up, Pillen & Prosecco“ im Senftöpfchen-Theater (im Rahmen des Köln Comedy Festival) einmal mehr den Beweis dafür vor, dass eine Musical-Ausbildung sowohl Vor- als auch Nachteile hat, wenn man die Kleinkunstbühnen erobern will. Der Vorteil: Man hat Singen und Tanzen gelernt. Der Nachteil: Man hat Singen gelernt. Der Kölner Künstlerin gelingen unter der einfallsreichen Regie von Dada Stievermann zwar durchaus authentisch wirkende Szenen und anrührende Momente, in deren Verlauf sich so manche Zuschauerin wieder erkennen kann.

Gleichwohl fischt die attraktive Maria weitgehend in trüb gewordenen Klischee-Gewässern. Sei es im Hinblick auf die heimischen Pubertiere, seien es die Nachbarn oder der Ehemann, der einen Kettensägenführerschein machen will: Man wird den Eindruck nicht los, dass Frau Vollmer auch im dritten Versuch, das Reihenhaus-Idyll satirisch zu zerlegen, hinter ihren Möglichkeiten zurückbleibt.

Das betrifft sowohl ihre Stimme, die zu schrillen Übersteigerungen neigt, als auch ihre körperliche Präsenz und gedankliche Originalität (Mitautoren: Gernot Voltz und Peter Vollmer), über die sie zweifelsohne in reichem Maße verfügt. Das zeigt sich nicht zuletzt in der „Ich habe Angst vor…“-Nummer, in der sie sich selbst am Xylophon begleitet. „Wenn Frauen arbeiten, hört man nichts“, ist daneben eine weit weniger tiefsinnige Erkenntnis, die sich nicht ohne weiteres auf Maria Vollmer übertragen lässt. Das wiederum ist auch gut so. Andernfalls hätte sie wohl kaum einen derart ohrenbetäubenden Applaus erhalten – der in der wunderschönen „Zalando“-Zugabe mündete.

©2016 BonMoT-Berlin
Foto: Ulrike Reinker

26. Internationales Köln Comedy Festival 2016
vom 20. Oktober bis zum 5. November 2016

auf 18 Bühnen in Köln
Das ganze Programm HIER auf der Homepage Köln Comedy, sowie als pdf zum Download der Programmüberblick und das Programmheft

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