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Spekulatius – Kolumne von HG.Butzko

HG Butzko - Kolumne - design c.wankaLiebe Freunde der politischen Satire,

das Jahr ist grade mal ein paar Tage alt, und schon stellt sich die Frage: „Kann man denn in diesen Zeiten des Terrors überhaupt noch Kabarett machen?“ Und ich bin zu der Überzeugung gekommen: Man kann nicht. Man muss!

Denn natürlich ist ein Terroranschlag schlimm. Und natürlich fühle auch ich dann Schock, Trauer, Angst und Wut. Wobei ich manchmal nicht weiß, worüber ich eigentlich wütender bin: Über den Anschlag eines gehirngewaschenen fundamentalistischen Fanatikers, der an den Endsieg seines Glaubens glaubt und auf den die Worte des großen Religionskritikers Karlheinz Deschner zutreffen, der mal sagte: „Je größer der Dachschaden, umso schöner natürlich die Aussicht zum Himmel.“, oder macht mich nicht mindestens genauso wütend, was deutsche Rechtspopulisten nach einem Anschlag unter Anteilnahme verstehen? Mal ehrlich, verglichen damit haben doch Aasgeier Anstand.

Eine Beschreibung, die natürlich auch auf deutsche Nachrichtenredaktionen zutrifft. Denn ich finde, dass es eigentlich doch schon schlimm genug ist, wenn ein Anschlag passiert, aber wenn man dann noch Journalisten mitkriegt, sensationsheischende, quotengeile, empathiebefreite Menschensimulanten, die Zeugen, Hinterbliebenen, Verwandten, Kollegen, Nachbarn und den Katzen vom Nachbarn ein Mikrofon in die Nase bohren, um zu fragen: „Wie fühlen sie sich jetzt?“, dann hoffe ich immer, dass irgendwann mal einer antwortet: „Diese Frage kann doch jetzt nur jemand stellen, der selber nichts mehr fühlt, du ekeliger Emotionsvampir.“ Und wenns die Katze ist, die es sagt.

Und dann, auch, wenn der Rauch sich noch nicht verzogen hat, kommen auch noch die Experten. Es fehlt noch an sämtlichen präzisen Informationen, Untersuchungen werden noch Wochen dauern, aber schon 5 Minuten nach dem einzigen Knall, den sie jemals gehört haben, melden sich schon die Experten und sagen: „Wir sollten jetzt nicht spekulieren.“ Um dann munter drauflos zu spekulieren. Und sollten sie falsch spekulieren, wird in eine andere Richtung spekuliert. Und sollten sie sich dann wieder verspekulieren, spekulieren sie sogar darüber, warum Experten sich so oft verspekulieren, bis dann der Moderator sagt: „Jedenfalls können wir jetzt noch nichts Genaues sagen.“ Und das ist genau der Moment, wo man doch am liebsten ausrufen möchte: „Ja, dann haltet doch einfach mal alle eure Fressen, ihr Frettchen.“

Es ist inzwischen erwiesen, dass erst die Berichterstattung einen Anschlag so richtig zum Terror macht. Denn Terroristen geht es darum, Angst und Schrecken zu verbreiten. Also nicht nur möglichst viele Tote, sondern vor allem möglichst viele traumatisierte Überlebende zu erzeugen.

Und erst die Berichterstattung erweitert die Anzahl der traumatisierten Überlebenden von denen am Anschlagsort auf Millionen in allen Fernsehsesseln. Und auf diese Weise werden wir erst von den Medien richtig terrorisiert. Gut, das machen die Medien 365 Tage im Jahr.

Aber bei einem Anschlag kalkulieren die Attentäter nicht nur mit der Panikmache, sie können sich sogar darauf verlassen. Und deswegen warte ich eigentlich schon lange drauf, wann mal ein Staatsanwalt eine deutsche Nachrichtenredaktion anzeigt, wegen Unterstützung einer terroristischen Vereinigung.

Machen wir uns nichts vor: Es wird weiterhin Terror geben. Man kann 7 Milliarden Menschen auf der Welt nicht unter Kontrolle halten. Niemals. Was man aber machen kann, ist, seinen Humanismus bewahren, seine Herzenswärme und seine Überzeugung, in diesen Zeiten, Kabarett machen zu müssen. Gegen den Terror. Den der religiösen und den der völkischen Extremisten.
 
In diesem Sinne, wir sehen uns…
LOVE & PEACE & EGGS TO SEA
von Herzen herzlichst Euer
Herz-Günter Butzko

 

©2017 HG.Butzko/ BonMoT-Berlin

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Kategorien:Kabarett, Satire, Schräges
  1. Gabriele Röwer
    20. Januar 2017 um 14:32

    Lieber Herr Butzko,

    danke, dass Sie erneut auf Karlheinz Deschner (1924-2014) hinweisen, den Verfasser der 10bändgien „Kriminalgeschichte des Christentums“, dessen Sprachkraft selbst von seinen Gegnern gewürdigt wird. Umso wichtiger, ihn genau zu zitieren, zumal seine Aphorismen, Deschners bevorzugte literarische Gattung im letzten Drittel seines Lebens.

    Der von Ihnen zitierte Aphorismus, vermindert um das vom Leser hinzugedachte, von Deschner, da selbstverständlich – wie alles Überflüssige auch sonst vermiedene – „natürlich“, lautet:
    „Je größer der Dachschaden, desto schöner der Aufblick zum Himmel.“,
    gerichtet gegen die Apodiktik dogmatisch-fundamentalistischer Ideologen jeder Couleur, nicht gegen (offen =radikal agnostisch) Fragende in den Spuren des alten Faust (abgedruckt auch im 4. und letzten Band alter und neuer Aphorismen „Auf hohlen Köpfen ist gut trommeln“, Lenos/Basel 2016).

    Mit guten Wünschen grüßt Sie herzlich
    Gabriele Röwer

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