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Schmieren bis es flutscht – Kritik Anny Hartmann

Anny Hartmann: „NoLobby is perfect“

von Marianne Kolarik

KÖLN – Ein Lobbyist ist jemand, der Abgeordnete für seine Interessen zu gewinnen versucht, so steht es jedenfalls im Duden. Seit 1961. „NoLobby is perfect“ heißt das neue Programm von Anny Hartmann, mit dem sie nun bundesweit unterwegs ist. Der Qualabend sei ja vorbei, meint sie zu Beginn und erklärt erstmal, was Politiker umtreibt: Die Machterhaltung natürlich. Nicht das bisschen Kohle, das sie monatlich einstreichen. Da hätten sie in der Wirtschaftsbranche weitaus bessere Karten.

Das habe schon Dieter Hildebrandt gewusst – und gesagt, betont die studierte Volkswirtschaftlerin mit Sparkassen-Hintergrund. „To big to fail“ – also: zu groß, um zu scheitern – sei nicht nur die Deutsche Bank. Auch der Lobbyist kann sich nicht irren, wenn es um seine Belange geht. Bestechungsgelder seien das tägliche Brot der Parteien, die damit „angefüttert“ würden. Ein Highlight vor der Pause: Das Interview mit einem lässig hingefläzten Lobbyisten, der nichts anderes als seinen miesen Job macht.

Wie ein pawlowscher Hund hechelt der befragte Politiker beim bösen Wort von der Arbeitsplatzvernichtung. Das zieht immer. Nicht nur, wenn es um die Automobilbranche geht. Hartmann hebt dabei die Pfötchen und winselt. – Da weiß der Zuschauer sofort, woran er ist und lacht sich schlapp. Hartmanns Spezialität besteht darin, komplizierte Sachverhalte auf eine anschaulich-einleuchtende Formel zu bringen und deren kuriose Seiten hervorzukehren.

Sponsoring sei die Schwester der Parteispende vermutet sie – und holt zu plausiblen Erklärungen für das Hintertreffen der Linken in den Medien aus („kein Sponsoring, keine Häppchen“). Auch die Neue Soziale Marktwirtschaft bekommt ihr Fett ab und ein gewisser Eric Schweitzer, Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages in Berlin, muss sich warm anziehen und hundert Mal „Die Vermögenssteuer kostet keine Arbeitsplätze“ schreiben.

Es geht uns gut, weil es anderen schlecht geht“, bringt die politische Kabarettistin ihre Ausführungen auf eine einfache, in sich stimmige Formel. Wer wisse schon, was gut und was schlecht sei, sagt sie einmal resignierend. Zumindest beinahe. Denn mutlos wird sie nie, weil einer sie nie verlässt: der Schalk in ihrem Nacken. Und das schlaue Häschen, das sich –hast-du’s-nicht-gesehen – von der Todesliste streichen lässt.

Foto: Wolfgang Michel

©2017 BonMoT-Berlin

Kategorien:Kabarett, Kritik
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