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Zwei Frauen schaffen das Geld ab – Premierenkritik

Einmalig - Anny Hartmann & Christine Prayon - Foto FB Köln LachtAnny Hartmann & Christine Prayon: „Einmalig!“

von Marianne Kolarik

KÖLN – Frau Merkel bekommt nur 250 000 Euro pro Jahr – da kommen mir die Tränen. Fast alle Regierungsbeamten seien bestechlich, meint Anny Hartmann in der schönen großen Aula des Hildegard von Bingen Gymnasiums (HvB), wo sie zusammen mit Christine Prayon (aka Birte Schneider aus der zdf-„heute show“) im Rahmen des Köln Comedy Festivals einen Abend bestreitet, den niemand der Anwesenden so schnell vergessen wird. „Einmalig“, so der passende Titel, ist das Zusammenspiel der beiden ganz und gar unterschiedlichen Künstlerinnen tatsächlich. In mehrerlei Hinsicht.

Anny Hartmann - Foto © Carlo Wanka

Anny Hartmann

Einer, der es schlauer gemacht hat als Merkel, heißt Matthias Wissmann, seit 2007 Präsident des Verbandes der Automobilindustrie. Da wird er sich nicht mit einem Hungerlohn à la Merkel begnügen müssen und Frau Hartmann endlich zum Essen einladen können. Die Quittung dafür wird er bei seinem Finanzamt einreichen. Genauer: das wird sein Steuerberater machen. Im Gegensatz zu Christine Prayon, die alles selber machen muss, auch ihre Steuererklärung in Anwesenheit ihres vierjährigen Sohnes und trotz ständiger telefonischer Störungen. Kunststück.

Das vollbringen die beiden starken Frauen auch im gemeinsamen Gespräch über Gott und die ungerechte Welt, die sich warm anziehen sollte, wenn die weibliche Hälfte ihre Stimme (und Arme) erhebt. Hartmann mit kühl kalkulierender Schärfe und zugespitzten Wortkaskaden, Prayon mit vollem Körpereinsatz vor spielerischer Lust nahezu explodierend: eine multiple Persönlichkeit, die sämtliche vorgefertigten Rahmen sprengt.

Christine Prayon - Foto © Carlo Wanka

Christine Prayon

Kann das gut gehen? Die Antwort ist ein klares Ja. Hier nimmt keine der beiden der anderen etwas weg, sondern unterstützt deren Anliegen, einen Systemwechsel vorzubereiten, der die zunehmende Macht des Geldes aushöhlt oder wie Hartmann es nennt: „sie zu externalisieren“. Das heißt: sie zu verlagern, weil Geld das Vertrauen zerstört habe. Wie genau das funktionieren soll und kann, bleibt zwar offen, aber Hartmann/Prayon machen deutlich, dass Frauen dazu bereit sind, den ersten Schritt zu tun.

Dass die gelernte Schauspielerin Prayon als „Diplom-Animatöse“ einen Eins-A-Bühnentod stirbt und sogar mit technischen Pannen wie einem Mikro-Ausfall elegant umzugehen weiß, macht den von der Arbeitsgemeinschaft HvB-Ton und vielen anderen Schülern gesteuerten Abend zu einem rundherum gelungenen Experiment: einfach einmalig.

©2017 BonmoT-Berlin
Fotos: Logo – Köln Comedy | Hartmann, Prayon – Carlo Wanka

Homepage Köln Comedy Festival |Kultur am Hildegard von Bingen Gymnasium

Kategorien:Kabarett, Kritik, Premiere
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