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Steuern, Fonds, Diäten und Moneten – Kritik

Chin Meyer – Foto © Christian SchulzChin Meyer: „Macht!Geld!Sexy?

von Marianne Kolarik

KÖLN – Bekannt geworden ist Chin Meyer als Steuerfahnder Siegmund von Treiber. Was ihn schließlich für den Beruf des Finanz-Kabarettisten hierzulande qualifizierte. „Macht!Geld!Sexy?“ heißt sein neuestes Programm, mit dem er im Rahmen des Köln Comedy Festivals im bis auf den letzten Platz besetzten Theater 509 des Bürgerhauses Stollwerck auftrat. Dabei betont er gleich zu Beginn den Workshop-Charakter der Veranstaltung und pickt sich Zuschauer aus dem Auditorium heraus, die er zu ihren „Scheinwelten“ befragt.

Dem 1959 in Hamburg geborenen Lebens- und Kleinkünstler mit den orangefarbenen Brillengläsern gelingt es mühelos, das Publikum in seinen Bann zu ziehen – mit Auslassungen über die Macht (wird verliehen) und deren Nachfolger, die Technik, mit deren Hilfe der Mensch sich in nicht allzu ferner Zukunft selbst eine neue Bio-Leber ausdrucken und einsetzen könne. Doch er wagt auch einen Blick zurück. In der Antike seien die Germanen die Bulgaren von heute gewesen: faul und ungepflegt.

Und singen kann er auch noch, Ohrwürmer von den Rolling Stones und den Beatles. Zum Beispiel. Er klärt über die Europäische Zentralbank (EZB) und deren Chef Mario Draghi auf und die Strategien von Charity-Unternehmen. An seine in Indien

Chin Meyer - Foto © www.ursart.deverbrachten Jahre erinnert er sich in einem orientalisch anmutenden Tanz, begleitet von dem Pianisten Claus-Dieter Bandorf, der als eine Art nerviger Sidekick eine gute Figur macht – und mit einem Stormtrooper-Kostüm aus Star Wars. Große Klasse.

Meyer selbst glänzt als „Joda des Finanzkabaretts“, indem er geschniegelt und gestriegelt die Bühne betritt: im Anzug, mit schwarz-rot-goldenen Kugelschreibern in der Brusttasche. Sein Name ist Siegmund von Treiber, eben jener Experte in Sachen Steuern und deren möglicher Hinterziehung. Steueroptimierungsmodell nennt man das. Zum Beispiel könne man alle Bundestagsabgeordneten für vier Jahre in die Karibik schicken und dadurch viel Geld sparen.

Dabei trägt Meyer ein mit Dollarscheinen bedrucktes Kostüm und stellt fest, dass Geld sexy sei und man in der Regel erst im Alter genug davon habe. Der heterosexuelle Mann befinde sich evolutionär gesehen auf den letzten Metern. Kein Grund zum Fürchten für das „schwule Köln“. Höchstens für Irina aus Kasachstan, die ihren Michael in einem DDR-Erholungsheim kennengelernt hat und nach vielen Jahren immer noch mit ihm zusammen ist – im geschlossenen Fonds Ehe lebend. Nur schade, dass das Paar den Künstler nicht bei seiner Deutschland-Tournee begleiten kann.

©2017 BonMoT-Berlin
Foto:  Christian Schulz, ursart.de

Kategorien:Kabarett, Kritik
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