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Deutschlehrer in Rage – Kritik Johannes Schröder

Herr Schröder: „World of Lehrkraft – ein Trauma geht in Erfüllung“

von Marianne Kolarik

KÖLN – Die Klasse hat ihren Deutschlehrer bei Elite-Partner angemeldet – und im dazu notwendigen Profil „vergilbtes Löschpapier“ angegeben. Er selbst komme sich vor wie ein Sushi-Teller in der 84. Runde:
Keiner will ihn, obwohl er doch erst 43 Jahre alt sei, Johannes Schröder heißt er und trägt mit seinem Cord-Sakko ein typisches Pädagogen-Outfit. Dabei ist der Typ nicht von gestern, sondern ein zeitgemäßer Pauker mit Frustrationshintergrund, wie er selbst sich bezeichnet.

Tatsächlich hat der 1974 in Berlin geborene Herr Schröder eine Ausbildung als Gymnasiallehrer in Deutsch und Englisch, was den soliden Hintergrund für sein erstes, 2017 gestartetes Comedy-Programm bildet: „World of Lehrkraft“ ist der passende Titel für einen Rundumschlag in Sachen Schulalltag und dessen Auswirkungen auf die mentale Befindlichkeit von Lehrenden und Lernenden. Wie vielfältig deren Auswüchse sind, weiß jeder, der einmal zur Schule gegangen ist.

Dabei hat sich im Laufe der Jahre so einiges geändert an unseren Bildungseinrichtungen. Weniger die Schwierigkeiten mit der deutschen Grammatik wie etwa die Geschlechter-Zuordnung zum Nomen (der Korn – in der Kneipe, das Korn – auf dem Feld) denn die zwischenmenschlichen Umgangsformen („Wenn Teenager sich streiten, sitzt der Teufel in der Ecke und lernt“). Hinzu kommen die so genannten Helikopter-Eltern („Brauchst Du eine Auszeit, Sören?“ „Soll die Mama böse werden?“), die sich nicht scheuen, den Lehrer zu fragen, ob sich eine Nuss-Allergie bei der Notenfindung berücksichtigen lässt.

Schröder bringt Reizworte wie Gedichtinterpretation, Bundesjugendspiele, Medizinball und Elternsprechtag ins Spiel und erntet murmelnde Zustimmung im “Klassenzimmer“ Senftöpfchen. Kommt einem bekannt vor. Auch Spitznamen wie Trillerpfeifen-Theo wie man den Sportlehrer nennt oder push-up-Paula oder Youporn-Jochen locken das eine und andere Lächeln hervor. Theoretischer hört es sich dagegen an, wenn Herr Schröder in die riesige Metaphern-Kiste greift. Selektive Analogiebildung nennt er die Methode, zwei Wirklichkeitsbereiche miteinander zu vergleichen. Toll findet er Euphemismen. („Ein Treppenlift versüßt den Lebensabend“) und ätzend Fotokopierer, die defekt – also bereits mit Papierstau – in der Schule ankommen.

Johannes Schröder packt sein Publikum mit entwaffnender Nonchalance an den emotionalen Faszien, das heißt, er lockert verknotete Gedankenströme und sorgt so für gute Laune. Comedian sei er geworden, „weil ich ein Recht auf ein Leben mit Fehlern habe.“ Thomas Herrmanns lobt seine Kunstfigur, die aus dem ollen Lehrer à la Feuerzangenbowle „etwas wildes Neues“, also einen „Bad Teacher“ gemacht habe. Und wir fügen hinzu: es ist immer gut, wenn jemand weiß, wovon er spricht (spielt, kaspert, etc.). Achtung, Futur 2: Herr Schröder wird eines Tages der beste aller Lehrer gewesen sein.

©2018 BonMoT-Berlin
Foto: PR Herr Schröder

weitere Termine auf der Homepage von Herrn Schröder

Kategorien:Comedy, Kritik
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