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Regionalexpress statt Flugtaxi – Kolumne von HG.Butzko

HG Butzko - Kolumne - design c.wankaLiebe Freunde des politischen Kabaretts,

in der Politik läuft es bisweilen so einfach, dass man sogar Wetten drauf abschließen und sehr reich werden kann.

Wie Ihr ja wisst, bin ich ja ein Systemknecht und eine Medienhure. Und warum? Weil ich hin und wieder doch tatsächlich mal im Fernsehen auftrete. Dass allerdings genau diejenigen Leute, die mich deswegen so bezeichnen, ohne meine bescheidene Fernsehpräsenz gar nicht wüssten, dass es mich überhaupt gibt, ist dabei einer Logik geschuldet, mit der die gleichen Leute sich einerseits beschweren, dass die Politiker sich nicht für sie interessieren, und wenn sie dann doch mal kommen, ihnen „Volksverräter“ und „Haut ab“ entgegen rufen.

Wie auch immer, weil ich also ab und zu im Fernsehen auftrete, kommt es dabei auch schon mal vor, dass mich ein Fahrdienst vom Bahnhof abholt und ins Studio bringt. Das erwähne ich übrigens nicht, damit Ihr mal wisst, wofür Eure Gebühren eigentlich so verschwendet werden. Denn wenn das der Grund wäre, würde ich ja auch erwähnen, dass es dabei noch Schampus, Koks und nackte Weiber gibt.

Nein, der Grund, warum ich das erwähne ist vielmehr, dass ein Fahrer dabei mal aus dem Nähkästchen plauderte: Dass er mal Julia Klöckner während ihres Wahlkampfes zur Ministerpräsidentin in Rheinland-Pfalz im Auto zu einer Talkshow gefahren hat und mitbekommen hat, wie die Klöckner während der Fahrt ins Studio die ganze Zeit mit Angela Merkel telefoniert hat. Und das einzige Thema dieses Telefonats war, dass die Klöckner von der Merkel wissen wollte, was sie sagen soll, was sie sagen muss und was sie auf gar keinen Fall sagen darf. Wir erinnern uns: Während die Klöckner damals offiziell auf Distanz zu Merkels Politik ging, hat sie sich also intern mit ihr abgesprochen. Da fragt man sich doch: Wenn das Distanz ist, was ist dann Arschkriechen? Und in welchem Orbit muss sich ein Jens Spahn dann erst befinden?

Wie auch immer, mein Kommentar an diesen Fahrer damals war: Wenn die Klöckner die Wahl in Rheinland-Pfalz verliert, wette ich 100 Millionen, dass die dann als Ministerin im Kabinett Merkel wieder auftaucht. Tja, so einfach kann es bisweilen in der Politik laufen. Jedenfalls schreibe ich diese Zeilen jetzt in einer 40-Zimmer-Villa in Malibu. Und ob es sich bei dieser Anekdote um die Wahrheit handelt oder nur um eine satirische Erfindung, überlass ich dabei gerne Eurer Phantasie.

Und während Ihr jetzt darüber grübelt, liefere ich Euch gleich noch die nächste Anekdote hinterher. So befand ich mich kürzlich, und zwar am Mittwoch, den 7. März, in einem ICE von Berlin Hbf zu einem Auftritt nach Ingolstadt, als circa 20 Kilometer südlich von Berlin der ICE erst einmal ziemlich heftig rumpelte und dann eine automatische Vollbremsung hinlegte, worauf die Durchsage des leitenden Fahrtbegleiters unzweideutig klarstellte, dass dieser Zug nicht mehr weiterfahren wird.

Den Grund dafür will ich jetzt hier nicht näher ausführen, nur so viel: Es war nicht eines dieser vielen klischeehaften Motive, mit dem man die Bahn immer wieder gerne und zu Recht als Chaosunternehmen hinstellt. Im Gegenteil: Dass Sanitäter sich bei jedem einzelnen Passagier erkundigten, ob man psychologische Unterstützung bräuchte, empfand ich in diesem Moment als sehr aufmerksam und als großes Krisenmanagement, und soll als Hinweis auf die Ursache der Fahrtunterbrechung genügen.

Wie auch immer, nach ungefähr einer Stunde wurde neben unseren ICE ein leerer Regionalexpress gesteuert, in den alle Gäste durch einen Notausstieg umsteigen sollten, und die Durchsage lautete, dass dieser Ersatzzug uns zum nächsten Provinzbahnhof bringen würde, wo dann Shuttlebusse uns zum nächsten ICE-Bahnhof bringen würden, von wo aus wir die Fahrt fortsetzen könnten.

Dass es sich bei dem nächsten ICE-Bahnhof um den im 150 Kilometer entfernten Halle/Saale handelte und nicht den 20 Kilometer entfernten Berlin-Südkreuz, erinnerte dann aber doch wieder an eines dieser vielen klischeehaften Motive, mit denen man die Bahn immer wieder gerne und zu Recht als Chaosunternehmen hinstellt.

Wie auch immer, während ich in der Schlange zum Notausstieg stand, hörte ich, wie die Dame vor mir von der Aussicht, mit Bussen nach Halle/Saale gefahren zu werden, wohl auch nicht so begeistert war, weshalb sie in ihr Handy sprach, um einen „Fahrtdienst“ zurück nach Berlin zu bestellen. Und weil der Schreiber dieser Zeilen von der Aussicht, mit Bussen nach Halle/Saale gefahren zu werden, auch nicht so begeistert war, fragte er besagte Dame höflich und mit gebotenem Respekt, ob man sich die Kosten denn nicht teilen könne. Es kann so einfach sein, Frauen höflich und mit Respekt anzusprechen, ohne eine #MeToo-Debatte auszulösen.

Wie auch immer, weil besagte Dame sagte, dass es sich nicht um ein Taxi handele, fragte der Schreiber dieser Zeilen kackfrech, aber immer noch höflich und respektvoll, ob besagte Dame ihn denn nicht trotzdem mitnehmen könne, worauf besagte Dame antwortete – Achtung, und jetzt kommts: „Kein Problem.“

Worüber besagter Schreiber dieser Zeilen sich zunächst sehr freute. Das Problem dabei war aber nur, dass der Zugverkehr von Berlin Richtung Süden trotzdem blockiert gewesen wäre, weshalb die Entscheidung der Bahn, die Passagiere ins 150 Kilometer entfernte Halle/Saale zu bringen und nicht zum 20 Kilometer entfernten Berlin-Südkreuz dann doch tatsächlich also keines dieser vielen klischeehaften Motive war, mit denen man die Bahn immer wieder gerne und zu Recht als Chaosunternehmen hinstellt, sondern sehr wohl und äußerst durchdacht.

Und weil aber der Schreiber dieser Zeilen im Gegensatz zu besagter Dame nicht umdisponieren und die Fahrt auf nächsten Tag verschieben konnte, bin ich also doch Richtung Halle/Saale gefahren, und um ein Haar hat es doch also tatsächlich leider nicht geklappt, von Dorothee Bär im Fahrdienst der Bundesregierung nach Berlin Hauptbahnhof mitgenommen zu werden.

So einfach kann Politik bisweilen sein. Man muss nur höflich fragen. Und was hätte ich darum gegeben, unserer neuen Staatsministerin für Digitales meine letzte Kolumne zum Thema „Facebook- und Handysucht“ vorzulesen. Oder wenigstens ihr Telefongespräch mit Horst Seehofer mitzulauschen. Ich glaube, dafür hätte ich sogar meine 40-Zimmer-Villa in Malibu verwettet.

Ob es sich jetzt bei dieser Anekdote um die Wahrheit handelt oder nur um eine satirische Erfindung, überlass ich abermals gerne Eurer Phantasie. Und die Moral von der Geschicht: Wer unseren Volksverrätern zubrüllt, sie sollen abhauen, muss sich nicht wundern, wenn er nicht im Flugtaxi mitgenommen wird.

Während Systemknecht und Medienhure Butzko sich mal wieder im Fernsehen blicken lässt, und zwar am 24. April in der Anstalt. Bis dahin, frohe Ostern.

©2018 HG.Butzko/ BonMoT-Berlin

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Kategorien:Satire, Schräges
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