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Keine Zeit für Sorgen – Sia Korthaus und Ariane Baumgartner – Premierenkritik

Sia Korthaus und Ariane Baumgartner: „komm ganz nah“

von Marianne Kolarik

KÖLN – Sie sehen aus wie aus einem Ethno-Bilderbuch für Erwachsene: die Musikerin Ariane Baumgartner und die – ausnahmsweise „nur“ als Sängerin agierende Sia Korthaus. Baumgartner mit dem vollen, dunkelbraunen Haarschopf und den bernsteinfarbenen Augen, und Korthaus, die blauäugige Blonde mit dem Schalk im Nacken und den flotten Sprüchen im Mund. Doch halt:

Davon ist auf der just erschienenen CD „komm ganz nah“ nichts zu hören. Vielmehr haben die beiden in Köln lebenden Künstlerinnen elf Songs ausgesucht, die sie – unter anderen – in Begleitung von Christina Fuchs (Saxophon und Klarinette) spielen.

Auf der Basis ihrer persönlichen Erfahrung, wie Korthaus bei der Vorstellung im Kölner Senftöpfchen-Theater betont. „ich öffne Dir all meine Türen./ Die Verletzlichkeit nehm ich in Kauf“, heißt es im Titelsong, der von einer großen Liebe erzählt, die sich schutzlos preisgibt. Daneben ist eine witzige Hommage an das „Bier“ und an „einen dieser Tage“ zu hören, „wo alles nur gelingt“. Sie werde bald 50 Jahre alt, da komme im Laufe der Zeit einiges an Erfahrungen zusammen, gibt Korthaus zu bedenken und legt mit „halt die Klappe“ noch einen drauf.

Von geradezu weiser Sicht auf das Leben zeugt „nimm sie wie sie ist“. „Sie“ ist in diesem Fall ein Schmetterling auf seinem ersten freien Flug, also ein vogelfreies Tierchen. Das Lied vom Leergutautomaten, wo ein Kind seine Flaschensammlung Stück für Stück entsorgt, ist leider nicht auf der CD, weil Korthaus es erst kürzlich geschrieben hat. Stattdessen ist „hinterher“ zu hören, ein Song um verpasste Chancen, von denen sie mit ihrer grandiosen, mehrere Oktaven umfassenden Stimme so manches Liedlein singen kann. Lass es „niemals aufhören“ heißt der Song, der von einem großen Glücksgefühl getragen wird. „wieder allein“ lebt von der Desillusionierung, immer nur „die Zweite“ zu sein und von der Angst vor dem Satz „es war das letzte Mal“.

„Sorgen mach ich mir morgen“, so das letzte Lied, das wie ihr aktuelles, überaus sehenswertes Programm heißt, mit dem Korthaus noch bis zum Herbst 2017 unterwegs ist, „was wird wohl später sein?“ fragt sie sich da. Und dass sie für Sorgen im Moment keine Zeit habe. Wir auch nicht.

© 2017 BonMoT-Berlin
Foto: Ulrike Reinker

Termine Sia Korthaus

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