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Archive for the ‘Kritik’ Category

Ihr nach! – Premierenkritik Eva Eiselt

Eva Eiselt: „Vielleicht wird jetzt alles vielleichter“

von Marianne Kolarik

KÖLN – Wie machte man das früher, an einem bestimmten Ort anzukommen? So ganz ohne Navi? Da gab es noch Dinge wie den Autoatlas und Falk-Pläne, die man nach einer bestimmten, stimulierenden Origami-Methode entfaltete. Kennen nur noch die wenigsten. Weil es Handys gibt. Die können einem sagen, wo es lang geht. Oder auch nicht. Zumindest scheint es immer noch total nette Tankwarte zu geben. Die helfen in der Not. Auch wenn es empfehlenswerter ist, sich selbst mit den vier Himmelsrichtungen auszukennen. Weiterlesen …

Kategorien:Kabarett, Kritik, Premiere

Familienaufstellung – Lo Malinkes erstes Bühnensolo -Premierenkritik

Lo Malinke: „Mütter & Menschen“ in der Bar jeder Vernunft

von Axel Schock

BERLIN – Noch nichts passiert, nur zwei Barhocker stehen im fahlen Bühnenlicht der Bar jeder Vernunft. Manch altgedienter Malediva-Fan kann bei diesem Anblick ein leises Seufzen nicht unterdrücken. Denn mit nicht mehr als eben zwei Barhockern hatten Lo Malinke und Tetta Müller vor rund zwei Jahrzehnten auf just dieser Bühne ihre Chanson-Kabarett-Karriere begonnen und die Menschen beglückt. Doch vor wenigen Jahren hat Tetta Müller dem Showbiz den Rücken gekehrt. Malediva ist seither – große – Kleinkunst-Geschichte. Weiterlesen …

Punktlandung – Kritik Tim Fischer

Tim Fischer: „Absolut!“

von Marianne Kolarik

„Ich werd‘ auf einmal kapieren, worum sich alles dreht“, heißt es in Ludwig Hirschs (1946 -2011) „Komm, großer schwarzer Vogel“, ein Lied, das Tim Fischer in seinem gefeierten Programm „Absolut!“ als Zugabe singt. Aber was heißt schon singen?

Der Chansonnier ist dort angekommen, wo alle hin wollen: im Himmel der theatralischen Umsetzung, einer zuvor noch nie erlebten Interpretation eines Textes, der im Zusammenklang mit der Musik neue, ungeahnte Dimensionen erhält: das Wissen um den Sinn des Lebens. „Ich werd‘ singen, ich werd‘ lachen, ich werd‘ endlich glücklich sein“, so die letzte Zeile des Liedes, mit der Fischer eine fern liegende Zukunft erreicht hat.
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Fröhliche Anarchoentertainer – „Kommse ran!“ – Premierenkritik The Incredible Herrengedeck

„Kommse ran! – The Incredible Herrengedeck laden ein …“

von Beate Moeller

BERLIN – Ob Berlin denn noch eine weitere Mixed Show braucht – das ist die Frage. Wenn allerdings „The Incredible Herrengedeck“ zu einer solchen einlädt, könnte man schon mal drüber nachdenken…

Die Chanson-Punks präsentieren sich bei der Premiere im Varieté-Saal der Tempelhofer ufaFabrik als Anarcho-Clowns: Pianist Daniel Thylmann im weißen Jackett und mit weißer Federboa am schwarzen Klavier, Gitarrist Tapani Gradmann mit keckem schwarzen Hütchen zum rotem T-Shirt (sic!) und Bassist Robert Rating im viel zu knappen karierten Sakko, das unter den Armen schon aufgerissen ist. Thema Nummer eins: Bezahlbarer Wohnraum, Verteuerung der Mieten im Kiez, den die Touristen vom Reisebus aus anglotzen: „Großstadtsafari im Milieuschutzgebiet, hier sieht man seltene Arten, die es sonst nicht mehr gibt. Füttern verboten!“ Weiterlesen …

Anders gesagt … – Kritik Hagen Rether

13. Februar 2017 Hinterlasse einen Kommentar

hagen-rether-foto-klaus-reineltHagen Rether: „Liebe 6“

von Gilles Chevalier

BERLIN – Hagen Rether ist nicht zufrieden, als er seinen Abend in der ausverkauften Berliner Philharmonie beginnt. Lässig lässt er sich auf einem Bürostuhl vorm Steinway-Flügel nieder. „Ertappen Sie sich auch manchmal dabei, dass Sie froh sind, dass wir die Merkel haben?“, fragt er resigniert. „Weil sie Maria und Josef einen Stall angeboten hat, wird sie jetzt gekreuzigt im christlichen Abendland!“

Schon wird das Schema dieses großartigen Abends sichtbar. Hagen Rether denkt quer zu den allgemeinen Denkmustern. Er hat Spaß daran, eine Sache von links zu betrachten und möglichst auch noch von unten. Warum, so fragt er, werden eigentlich die jährlich eine Million Auswanderer aus Deutschland in der Diskussion nie erwähnt?
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Kategorien:Kabarett, Kritik

Der ganz normale Wahnsinn – Premierenkritik Semianyki

10. Februar 2017 Hinterlasse einen Kommentar

Semianyki: „Die Familie“

von Gilles Chevalier

BERLIN – Im Tipi am Kanzleramt haben den ganzen Februar über die Clowns das Sagen. Semianyki heißt die Kompanie. Sie besteht aus Absolventen des Teatr Licidei, das 1968 von Slava Polunin in Sankt Petersburg gegründet wurde. Seit Jahren sind Semianyki europaweit auf Tour und gastieren jetzt fast drei Wochen in Berlin.

Die sechs Clowninnen und Clowns sind eine Bühnen-Familie. Die herzensgute und stets ausgleichend wirkende Mutter hält die Familie zusammen. Sie hat für jeden Unfug ihrer Kinder Verständnis. Hochschwanger lässt die ihre drei Kinder unbestimmten Alters und das Baby gewähren. Was soll auch schon kaputtgehen in diesem großen, vollgestellten Ein-Zimmer-Appartment? Das Klavier ist bereits verstimmt, und das Radio hat noch Röhren und muss erst ein wenig vorglühen, bevor es spielen kann. Weiterlesen …

Kategorien:Comedy, Kritik, Premiere

Ganz in Schwarz und ohne Blumenstrauß – Kritik Nico Semsrott

5. Februar 2017 1 Kommentar

nico-semsrott_2-foto-fabian-stuertzNico Semsrott: „Freude ist nur ein Mangel an Information 2.5“

von Gilles Chevalier

BERLIN – Da steht er nun, der Preisträger in der Sparte Kleinkunst des Deutschen Kleinkunstpreises 2017. (Preisverleihung am 5.3.17 im Mainzer unterhaus) Mitten auf der großen Bühne der Berliner Wühlmäuse. Großes Aufheben ist ihm fremd. Nico Semsrott hat seine Kapuzenjacke zugezogen und die Kapuze über den Kopf gezogen. Selbst das Licht ist sparsam: Punktgenau setzt es den Künstler in Szene.

Es scheint Semsrott fast unangenehm zu sein, dass sich 500 Menschen seinetwegen auf den Weg ins Theater gemacht haben. Zurückhaltend agiert er, immer auf der Hut vor dem Scheitern. Denn das ist sein Thema.
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Kategorien:Kabarett, Kritik

Familiendomina, überwiegend heiter – Kritik Tina Teubner

30. Januar 2017 Hinterlasse einen Kommentar

tina-teubner-foto-jens-schneiderTina Teubner & Ben Süverkrüp: „Wenn Du mich verlässt komm ich mit“

von Marianne Kolarik

Alles könnte so gut sein, wenn da nicht immer dieses hinterhältig penetrante Stimmchen wäre. Diese „Maximalzerstörerstimme“: „Äh-Scheiße-da-ist-ja-Stau!“, raunt ihr vorwurfsvoll ins Ohr, „Warum sind wir nicht die A5 gefahren?“ Oder: „Immer-lässt-du-alle-Schranktüren-offen!“.

Während der Pianist und Komponist Ben Süverkrüp unverständliche Baby-Sätze ins Mikro quäkt, breitet die mehrfach ausgezeichnete Sängerin, Musikerin und Performerin Tina Teubner ihre widersprüchlichen Leiden an der Welt vor dem Publikum aus. „Wenn Du mich verlässt komm ich mit“ heißt ihr neues Programm, mit dem sie nach über 25 Jahren auf der Bühne zeigt, was alles in ihr steckt. Weiterlesen …

Die Vorgaben der Nachkommen – Buchbesprechung

20. Januar 2017 1 Kommentar

zingsheim-eltern-quMartin Zingsheim:
„Eltern haften an ihren Kindern“

von Harald Pfeifer

Da treten sie als Kabarettisten, Satiriker, Komiker oder Comedian an, den Zustand der Welt zu beschreiben und zu beanstanden, mit der Zeit bringen sie es dabei zu einer gewissen Perfektion, doch dann werden sie unversehens nebenberuflich Väter, und alles ist anders.
Für Martin Zingsheim war das der Grund, ein Buch zu schreiben. Da sich die Dinge nun gedreht haben, ist der Titel „Eltern haften an ihren Kindern“. Und die Väter lassen nicht los, weil die Welt mit den kleinen Popanzen viel spannender ist, als Außenstehende das glauben mögen. Weiterlesen …

Kategorien:Bücher/ Print, Kritik

Tschüss 2016! – Kritik Florian Schroeder & Volkmar Staub

29. Dezember 2016 Hinterlasse einen Kommentar

Zugabe Schroeder Staub – Foto © Frank EidelFlorian Schroeder & Volkmar Staub: „Zugabe – Der kabarettistische Jahresrückblick 2016“

von Gilles Chevalier

BERLIN – Jedes Jahr Mitte Dezember gehen Florian Schroeder und Volkmar Staub zusammen auf Tour, um Rückschau zu halten auf das zu Ende gehende Jahr. Kurz vor Weihnachten haben sie in den Berliner Wühlmäusen Station gemacht und hinter ihren beiden Schreibtischen auf der Bühne Platz genommen.

So kommt Late-Night-Atmosphäre kommt auf, wenn sich Schroeder und Staub gegenseitig Weiterlesen …

Kategorien:Kabarett, Kritik

Welch ein Mensch, welch ein Ekzem – Buchbesprechung Polt

20. Dezember 2016 1 Kommentar

polt-ekzem-cover-kein-aber_aDas Buch zu „Ekzem Homo“ von Gerhard Polt & den Well-Brüdern

von Harald Pfeifer

Als brauche man für eine Überschrift von Gerhard Polt eine Erklärung. Und wenn dann doch eine kommt, und sei es ein Rollentext, bleibt in der Regel keine Frage mehr offen: „Wissen Sie, für mich ist der Mensch ein Zwischenwirt, ein Paradies, ein Eldorado für Parasiten aller Art, Bazillen, Viren, Waffenhändler, Bestattungsinstitute, auch die Religionen lieben den Menschen. Und Fußpilze.“ Warum also nicht auch ein Ekzem.

Und damit ist die Welt, in der sich Polt und die Well-Brüder Weiterlesen …

Kategorien:Bücher/ Print, Kritik

Worum gehts eigentlich? – Kritik HengstmannBrüder

17. Dezember 2016 Hinterlasse einen Kommentar

hengstmannbrueder-foto-hengstmannbruederDie HengstmannBrüder: „Darum geht’s nicht“

von Gilles Chevalier

BERLIN – Kabarett in der dritten Generation. Das gibt es in Sachsen-Anhalt. Angefangen hat es mit Großvater Erich, der das Kinderkabarett in der DDR begründete.

Vater Frank wurde auch Kabarettist und seine Söhne Sebastian und Tobias tun es ihm gleich. Die Söhne gemeinsam oder solistisch, der Vater im Ensemble oder als Solist – alle zusammen betreiben mit weiterer familiärer Unterstützung in Magdeburg das Kabarett-Theater „…nach Hengstmanns“. Weiterlesen …

Abstruse Übungen von Leib und Seele – Kritik Leipziger Central Kabarett

28. November 2016 Hinterlasse einen Kommentar

dada-01-foto-harald-pfeifer_liveundlustig„Dada is Muss“ als Kammerspiel

von Harald Pfeifer

LEIPZIG – Der Geburtstag von Dada ist der 5. Februar 1916. Junge Kriegsflüchtlinge trafen sich danach ein Vierteljahr täglich, außer freitags, im Züricher Cabaret Voltaire. Sie machten Programm, bezogen das Publikum mit ein in ihr wirres Spiel, verweigerten sich strikt dem bürgerlichen Kunstverständnis und entwickelten so fast ungewollt grundlegende Prinzipien für die künstlerische Moderne des bevorstehenden Jahrhunderts.
Dada war für sie aber auch ein Weg, sich notdürftig im Exil den Lebensunterhalt zu verdienen. Weiterlesen …

Kategorien:Kabarett, Kritik

Mit Cello, Charme und Duden – Kritik Carrington-Brown

26. November 2016 Hinterlasse einen Kommentar

Carrington-Brown 10Carrington-Brown: „10“ – Premiere in der Bar jeder Vernunft

von Gilles Chevalier

BERLIN – Die ersten Worte im neuen Programm „10“ von Rebecca Carrington und Colin Brown werden nicht von den beiden Künstlern gesprochen. Die beiden Engländer lassen dem Ältesten auf der Bühne den Vortritt, und das ist das Cello Joe. 235 Jahre hat es inzwischen am Stachel und nun Gelegenheit, sein bisheriges Leben vorbeiziehen zu lassen.

Bei ihrer Großmutter haben Rebecca Carrington und Joe zusammengefunden. Daraus hat sich eine never-ending story entwickelt. Weiterlesen …

Die „Ladies Night“ beim 26. Köln Comedy Festival

3. November 2016 Hinterlasse einen Kommentar

nessi-tausendschoen-knietief-foto-prMit Nessi Tausendschön, Hazel Brugger, Anny Hartmann und Gayle Tufts

von Marianne Kolarik

KÖLN – Sie ist schlicht umwerfend: Nessi Tausendschön, die Gastgeberin der Ladies Night in der Comedia, eine weibliche Veranstaltung mit Musiker-Quotenmann William Mackenzie an diversen Instrumenten, die seit Jahr und Tag das Köln Comedy Festival bereichert.

Diesmal mit „Herz, Hirn und Haltung“ in Gestalt von Anny Hartmann, wie Kollege Volker Pispers betont oder dem mit viel Sinn für die skurrilen Seiten des Lebens ausgestatteten, neuerdings in Köln lebenden Schweizer Shooting-Star Hazel Brugger, die von ihrer Steuererklärungs-Phobie und verdammt gefährlichen Snack-Automaten erzählt, denen jährlich weltweit über zehn Menschen zum Opfer fallen. Weiterlesen …

Kategorien:Comedy, Kritik